Die UEK Aurich ist als Koloproktologisches Kompetenzzentrum zertifiziert

Nach einjähriger Vorbereitungszeit ist das unter der Führung des Leitenden Arztes Dr. J. Strandborg und der Oberärztin Dr. A. Strandborg stehende Kompetenzzentrum für Koloproktologie zertifiziert. Die Koloproktologie ist ein Spezialbereich der von Chefarzt Dr. Klotter geleiteten Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie  und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den gut- und bösartigen Erkrankungen des Dickdarms, Enddarms und Afters. Dabei gehört auch die Behandlung fortgeschrittener Tumorleiden, z.B. mit Absiedlungen in Leber oder Lunge, zum Behandlungsspektrum.  Die Zertifizierung als Kompetenzzentrum für chirurgische Koloproktologie wird gemeinsam durch die Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) durchgeführt. Im Gegensatz zur Zertifizierung als Darmkrebszentrum (Deutsche Krebsgesellschaft) wird hier zusätzlich zu den bösartigen Erkrankungen auch die Behandlungsqualität gutartiger Erkrankungen geprüft. Ziel einer Zertifizierung ist es zum einen in der Vorbereitungsphase die internen Abläufe und Qualitätsstandards zu hinterfragen und diese gegebenenfalls zu optimieren. Nach der Zertifizierung dient das Qualitätssiegel natürlich auch dazu, nach außen zu zeigen, dass auf höchstem Qualitätsniveau gearbeitet wird. 

Solch eine Zertifizierung erfordert eine intensive Vorbereitung. Zunächst muss die antragstellende Klinik nachweisen, dass sie mehrere Jahre hintereinander eine Mindestzahl an Operationen und Spezialuntersuchungen bei Darmkrebs, Mastdarmkrebs, gutartigen Dickdarmerkrankungen, Hämorrhoiden, Fisteln und Inkontinenz durchgeführt hat. In der Abteilung müssen außerdem mindestens zwei Fachärzte für Viszeralchirurgie (Spezialchirurgen für die inneren Organe) und zwei Fachärzte für Proktologie tätig sein. In der UEK Aurich sind sogar vier Viszeralchirurgen und drei Proktologen beschäftigt. Für bestimmte koloproktologische Erkrankungen und Operationsverfahren wurden von den zuständigen Arbeitsgemeinschaften nach wissenschaftlichen Vorgaben und klinischer Erfahrung Qualitätsstandards und Leitlinien entwickelt. Vor der Zertifizierung muss nachgewiesen werden, dass die Behandlung anhand dieser Vorgaben durchgeführt wird. Die Kontrolle erfolgt über Qualitätssicherungsstudien, an denen die Klinik über mehrere Jahre teilgenommen haben muss.Dazu gehört auch, dass alle Patienten mit bösartigen Erkrankungen vor und nach der Therapie in der einmal wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenz besprochen werden. Hier kommen unter der Leitung von Dr. J. Strandborg  Gastroenterologen, Pulmologen, Pathologen, Radiologen, Onkologen und Strahlentherapeuten zusammen, um individuell für jeden Patienten das optimale Behandlungsverfahren festzulegen. Es müssen nämlich je nach Tumorart und –stadium  manche Patienten z.B. vor der Operation bestrahlt werden, andere bekommen anschließend eine Chemotherapie oder müssen lediglich über Jahre überwacht werden. Neben einer funktionierenden Zusammenarbeit  mit den anderen Fachabteilungen in der Klinik, wird eine gute Kooperation mit den Arztpraxen gefordert. Dadurch soll sichergestellt werden, dass auch die Weiterbehandlung außerhalb der Klinik auf hohem Niveau erfolgt. Somit haben auch die Gastroenterologische Praxis Dr. Evers und Dres. Seemann, der Urologe A. Schierke, sowie die hiesige onkologische und radiologische Praxis bei der  Zertifizierung intensiv mitgewirkt.
 

Nachdem die Klinik im Antrag nachgewiesen hat, dass alle Grundvoraussetzungen für eine Zertifizierung gegeben sind, kommt ein sogenanntes Auditteam in die Klinik um zu prüfen, ob die schriftlichen Angaben zur Qualität der Abteilung in der Realität zutreffen. Es werden alle für die Behandlung relevanten Bereiche des Krankenhauses in Verwaltung, Diagnostik und Therapie überprüft. Dazu gehört auch, dass typische Eingriffe im Operationssaal „voroperiert“ werden müssen. Außerdem nehmen die Auditoren Einblick in die Komplikationsstatistik der Abteilung. 
Ein Punkt, der sehr detailliert bei der Zertifizierung geprüft wird, ist das Langzeitergebnis nach der Operation des Mastdarmkrebs. Hier muss neben einer niedrigen Komplikationsrate nachgewiesen werden, dass der Krebs nach 5 Jahren in höchstens 10% der Fälle im Becken wieder nachwächst. Diese Zahl nennt sich Lokalrezidivrate und wird als Qualitätsmaßstab für die Operation gewertet. Hier liegt die UEK-Aurich mit einer Lokalrezidivrate von 7,4% erfreulicherweise deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Dennoch kann sich die Klinik nicht auf dem Erreichten ausruhen, da die Zertifizierung alle drei Jahre überprüft wird.